Google Art Project wächst weiter

Im Februar letzten Jahres startete das Google Art Project mit 17 Museen. Mittlerweile wurde die virtuelle Sammlung auf mehr als 30000 Kunstwerke aus über 150 Galerien, Sammlungen und Museen weltweit erweitert. Google hat die Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Felsenmalereien abfotografiert und macht sie hochauflösend online zugänglich.
Die Navigation des Art Projects hat sich durch diverse Ansichten und Filtermöglichkeiten seit dem Launch deutlich verbessert. Das ganze erinnert an ein kunsthistorisches Mash-up diverser Google-Produkte (Bildersuche, Streetview, Maps, Books) und ist schon allein aufgrund des Umfangs beeindruckend. Das Google Art Project reißt jedoch die Werke aus ihrem Kontext und ordnet sie neu an. Dies erinnert vom Ansatz her an Apples iTunes, das eine ähnliche Dekontextualisierung von Musikstücken eingeleitet hat. Wer hört schon heute noch ein gesamtes Album?
Jetzt nimmt Google im großen Umfang die Bilder von der Wand. Durch derartige Reproduktionen wird Neues produziert und geht Altes verloren. Der Algorithmus kuratiert, der Betrachter wird zum Nutzer und sendet werbeträchtige Klick-Signale immer gleich mit. Die Dimension der Filter-Blase wächst. Vermutlich in dem Maße, wie sich umgekehrt das Kunsterlebnis auf den zweidimensionalen Bildschirm verflacht: das Museum als Slideshow. Eine gewisse Faszination geht davon trotz allem aus.

www.googleartproject.com

Top 10 – Die besten TED-Vorträge

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TED ist nicht nur der elitärste sondern dabei auch der zugänglichste Club der Welt. Die hier vorgestellte Bestenliste zeigt, was der „ideenhungrigen Elite“ der TEDster in den letzten Jahren am wichtigsten war. Darunter finden sich wirklich inspirierende Ideen zu Bildung, Lernen, Kreativität, Motivation und Leidenschaft. Wer nach diesen 10 Vorträgen Lust hat auf mehr, sollte sich auch die vollständige Liste mit mehr als 750 TED-Vorträgen anschauen und dort fündig werden.

1) Jill Bolte Taylor
Ein Schlag der Einsicht

2008
Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor beschreibt aus eigener Erfahrung nach einem Schlaganfall wie sie ihr Gehirn dabei beobachtete, eine Funktion nach der anderen abzuschalten: Bewegung, Sprache, Selbstwahrnehmung. Zur Veranschaulichung präsentiert sie ein echtes Gehirn samt Rückenmark.
http://www.ted.com/talks/view/id/229
6) Dan Pink
Überraschende Motivationswissenschaft

2009
Karriereberater Dan Pink untersucht das Rätsel der Motivation greift auf eine Tatsache zurück, die den meisten Sozialwissenschaftlern bekannt ist, den meisten Managern jedoch unbekannt: Traditionelle Belohnungen sind längst nicht so wirkungsvoll wie wir glauben.
http://www.ted.com/talks/view/id/618
2) Patti Maes and Pranav Mistry
SixthSense Demo

2009
Pattie Maes präsentiert ein tragbares Gerät samt Projektor aus ihrem MIT lab, das den Weg für tiefgreifendere Interaktionen mit der Umwelt ebnen könnte. Ein bisschen erinnert es an Spielbergs “Minority Report”.

http://www.ted.com/talks/view/id/481

7) Hans Rosling
Die beste Datenvisualisierung, die Sie je gesehen haben

2006
Der schwedische Professor tanzt förmlich durch seine spektakuläre Animation von statistischen Daten zur Entwicklung der Welt.  Mit der Dramatik eines Sportmoderators entlarvt er einige liebgewonnene Mythen über die sogenannten „Entwicklungsländer“.
http://www.ted.com/talks/view/id/92
3) Ken Robinson
Schulen töten die Kreativität

2006
Sir Ken Robinson macht sich auf äußerst unterhaltsame Art für ein Bildungssystem stark, das Kreativität nährt, nicht unterdrückt. Das sollten alle Lehrer, Eltern und Schüler gesehen haben.
http://www.ted.com/talks/view/id/66
8 ) Benjamin Zander
Über Musik und Leidenschaft

2008
Benjamin Zander hat zwei Leidenschaften: klassische Musik, und anderen dabei zu helfen, ihre unerkannte Liebe zur Musik zu entdecken. Und weitergedacht auch unsere Liebe zu unentdeckten neuen Möglichkeiten, neuen Erfahrungen, neuen Verbindungen.

http://www.ted.com/talks/view/id/286

4) Tony Robbins
Warum wir tun was wir tun

2006
Tony Robbins bespricht die  “unsichtbaren Kräfte ” die unsere Handlungen motivieren. Und klatscht mit Al Gore in der ersten Reihe ein „High Five“ ab.
http://www.ted.com/talks/view/id/96
9) Barry Schwartz
Das Paradox der Wahl

2005
Der Psychologe Barry Schwartz meint, dass mehr Freiheit nicht unbedingt mehr Glück bedeutet. Seiner Meinung nach lassen uns Wahlmöglichkeiten nicht freier sondern paralysiert zurück, nicht glücklicher sondern unzufrieden.
http://www.ted.com/talks/view/id/93
5) Elizabeth Gilbert
Kreativität füttern

2009
Bestsellerautorin Elizabeth Gilbert spricht über die unmöglichen Dinge, die von Künstlern erwartet werden und über ihren Mühen an den Erfolg von „Eat, Pray, Love“ anzuschließen. Ihre Meinung nach „ist“ eine Person kein Genie, sondern jeder Mensch „hat“ ein Genie.

http://www.ted.com/talks/view/id/453

10) V.S. Ramachandran
Über den Geist

2007
Ein Hirnforscher in Lederjacke erklärt, wie „dieser 3-Pfund-Wackelpudding über die Bedeutung der Unendlichkeit nachsinnen kann.“
http://www.ted.com/talks/view/id/184

Monty Python – Google in Rom

Diese Monty-Python-Persiflage ist eine willkommene Abwechslung zur Streetview-Polemik dieser Tage. Die Verbindung von Google mit dem alten Rom ist gar nicht so weit her geholt, schließlich ist Python ist nicht nur Montys Nachnahme, sondern auch die Bezeichnung für eine bekannte Programmiersprache, die auch von Google verwendet wird.

Emails in der eigenen Handschrift

Die Handschrift ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identität. Sie macht uns und das, was wir schreiben, einzigartig. Genau das ist die große Idee hinter einer kleinen Web-Anwendung namens PilotHandwriting. Das einfach zu verwendende App ermöglicht es, die eigene Handschrift in den Computer zu übertragen und E-Mails an Freunde im eigenen, einzigartigen Stil zu versenden. Das Comeback der handschriftlichen Kommunikation im digitalen Zeitalter? Schauen Sie selbst!

www.pilothandwriting.com

Tarkovskijs Polaroids

Tarkowskijs Filme erscheinen oft wie eine stille Montage aus einzelnen ruhigen Einstellungen. Nach seinem verstörenden Hauptwerk Stalker verließ Tarkovskij 1979 die Sowjetunion und ging zunächst nach Italien ins Exil. Mit einer Polaroidkamera nahm er dabei Abschied von seiner Heimat und eignete sich gleichsam die neue Welt an.

Die dabei entstandenen sehr persönlichen Bilder wurden in einer Auswahl erstmals 2006 in Italien veröffentlicht und liegen unter dem Titel Lichtbilder auch als deutsche Buchfassung vor. Ein russischer Foto-Blog hat jetzt alle Bilder digitalisiert und ein weiterer Blog diese als Polaroid-Galerie aufbereitet.

Zwar sollte die Ära der Sofortbildfilme bereits 2008 enden, wenn es nach Polaroid gegangen wäre. Glücklicherweise ist es den ehemaligen Mitarbeitern der letzten verbliebenen Produktionsstätte in den Niederlanden mit ihrem Impossible Project gelungen, die Fabrik zu übernehmen und das Sofortbild in Eigenregie wiederzubeleben.

Smarte Kunstgeschichte

Bilder einer Ausstellung. (c) www.smarthistory.org

Smarthistory.org ist eine wahre Fundgrube für alle an Kunstgeschichte interessierten Menschen: Museumsbesucher, Reisende, Lehrende und Lernende. Die Website ist weit mehr als ein Ersatz für teure und schwere Lehrbücher. Smarthistory ist die persönliche Stimme von Kunshistorikern die sich beim Betrachten von Kunstwerken unterhalten. Eine wahre Multimedia-Aufbereitung die viel mehr ist als die Summe aus Kunstgeschichtslehrbuch und Audioguide. Smarthistory macht Informationen über Kunst zugänglich, unterhaltsam und ansprechend zugleich.

Beth Harris und Steven Zucker begannen Smarthistory im Jahr 2005 als Blog, auf dem sie Podcasts veröffentlichten, die als kostenlose Audio-Guides in New Yorker Museen genutzt werden konnten. Später organisierten sie den ständig wachsenden Materialbestand stilistisch und zeitlich und begannen die Podcasts mit Text und Bildern anzureichern.

Im Jahr 2008 erhielten sie ein Stipendium der Kress Foundation für das Redesign der Website. Mittlerweile ist die Website selbst ist ein Meisterwerk was die Usability betrifft. Letztes Jahr gewann Smarthistory den renommierten Webby Award – „die höchste (offizielle) Auszeichnung für Exzellenz im Internet“, wie The New York Times es ausdrückte – für die beste Website in der Kategorie Bildung.

Besucher können die Website über verschiedene Navigationswege durchstöbern und erkunden, je nach ihren Bedürfnissen und Interessen. Zur Auswahl stehen Zeitläufte, Stil, Künstler oder Thema, und darüber hinaus mit Hilfe einer visuellen Navigation in der Mitte der Homepage oder am Ende der Einzelseiten.

So ansprechend, lebendig, unterhaltsam und spielerisch leicht kann der Umgang mit Kunstgeschichte sein.
www.smarthistory.org

STRG+K: Wittgenstein in HTML

Hätte er Hyperlinks verwendet
Hätte er Hyperlinks verwendet?

Der Tractatus logico-philosophicus ist das einzige Buch des österreichischen Philosophen
Ludwig Wittgenstein, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde. Es war ein ehrgeiziges Projekt, das die Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit und die Grenzen der Wissenschaft ergründete um festzustellen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Wittgenstein schrieb den Tractatus in seiner Zeit als Soldat und als Kriegsgefangener während des Ersten Weltkriegs.

Die Welt ist alles was der Fall ist. (Manuskript)
Die Welt ist alles was der Fall ist. (Manuskript)

Vor einigen Jahren erstellte Jonathan Laventhol eine erste Hypertext-Version des zweisprachigen deutsch-englischen Ausgabe des Tractatus als private Lernhilfe. According to him, the reader will have to make up his own mind about whether such a tool helps or hinders the appreciation of the book. Er meint, jeder Leser müsse selbst entscheiden, ob eine solche Aufbereitung dem Buch angemessen und hilfreich oder eher hinderlich sei.

Die Welt ist alles was der Fall ist. (HTML-Version)

Michele Pasin, ein Forscher am Londoner King’s College, erstellte eine weitere HTML-basierte Visualisierung des Tractatus, die versucht die Registerkarten als Darstellungsform zu nutzen. Diese Aufbereitung war Teil des PhiloSURFical-Projekts welches Pasin während seiner Doktorarbeit am Knowledge Media Institute entwickelte.

Alle Register.

In den meisten Ländern ist der Originaltext mittlerweile im Rahmen des Gutenberg-Projektes frei verfügbar. (www.gutenberg.org/ebooks/5740). Dennoch bleibt das einfache Buch immernoch den besten Zugang zum schwierigen Text.

Und wenn man immer noch Verständnisprobleme hat, fragt man am besten Leute wie John Searle, alles das was der Fall ist ein wenig näher zu erläutern.

Oder man hört einfach Tocotronic.

Schließlich bin ich mir nicht sicher, ob Wittgenstein die Hypertext-Variante seinen Notizzetteln vorgezogen hätte. Aber ich bin überzeugt davon, dass verschiedene Wege zur Erkundung eines Textes dem Verständnis nur zuträglich sind.